Mittwoch - 28. Mai 2014

Bayer-Ballexperte Thomas Michaelis über den „Brazuca“ und die bevorstehende WM

„Hier wirken extreme Kräfte“

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Thomas Michaelis, bei Bayer MaterialScience Leiter Textilbeschichtung Europa, hält zwei Fußbälle in Händen, die gegensätzlicher kaum sein könnten: 60 Jahre Ballentwicklung liegen zwischen der handgenähten Lederkugel von 1954 und dem Hightech-WM-Ball „Brazuca“.

Die Favoritenfrage für die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft in Brasilien beantwortet Thomas Michaelis mit einem schelmischen Lächeln. „Wir sind in jedem Fall im Endspiel dabei!“, sagt er wie aus der Pistole geschossen. Was ihn da so sicher macht? Nun, der „Brazuca“, offizieller Spielball der bevorstehenden WM, kommt ein stückweit aus dem Hause Bayer. Und der Ball rollt in jedem WM-Spiel, auch im Finale. Als Leiter Textilbeschichtung Europa bei Bayer MaterialScience begleitet Michaelis die Entwicklung von Hightech-Fußbällen schon seit vielen Jahren. Gemeinsam mit adidas stellen er und sein Team in Forschung und Produktion sich der Herausforderung, immer griffigere, rundere – kurz immer bessere Bälle zu jeder Europa- und Weltmeisterschaft zu präsentieren.

Thomas Michaelis, wenn Sie zurückschauen in die Historie der Fußballentwicklung – hat es so etwas wie Entwicklungssprünge gegeben?

„Als ich noch mit meinen Kumpels auf der Straße gekickt habe, da spielten wir mit der ledernen ´Pocke`. Bei Nässe vollgesogen mit Wasser, konnte sie den dicken Zeh schon mal in Mitleidenschaft ziehen – so schwer war die Kugel. Womit wir beim Gewicht wären. 420 bis 445 Gramm – nicht mehr und nicht weniger muss der geprüfte FIFA-Ball wiegen. Da spielte das Naturprodukt Leder nicht so richtig mit. Die gestanzten Elemente gleicher Größe, die zum Ball vernäht werden sollten, hatten bei Leder nie dasselbe Gewicht. Sie mussten zeitraubend zusammensortiert werden, damit das Gesamtgewicht zum Schluss stimmte.

Das änderte sich komplett mit dem synthetischen Material. Die daraus gestanzten Panele waren fast bis aufs Gramm gleich schwer. Kein Vorsortieren mehr – einfach zusammennähen, fertig. Ein riesiger Schritt hin zu einer effizienteren Produktion. Dank des synthetischen Materials wurde auch die Wasseraufnahme reduziert. Sozusagen ein fußfreundlicher Nebeneffekt.“

Die Lederpocke gab´s seit einer gefühlten Ewigkeit. Wann stellten die Produzenten um auf synthetisches Material?

„Das erfolgte mit dem ´Azteca` von adidas, der zur WM 1986 in Mexiko präsentiert wurde. Zwei, drei Jahre hatte seine Entwicklung gedauert. Damals war adidas an uns herangetreten. Wir haben abgeliefert und damit die Revolution in der Ballherstellung eingeleitet. Es ging weiter mit dem ´Tricolore`, zur WM 1998 in Frankreich kreiert. Bei ihm kam erstmals eine neu entwickelte Schicht aus syntaktischem Schaum zum Einsatz – eine dichte, ebenmäßige Matrix aus Polyurethan, die aus sehr widerstandsfähigen geschlossenen Mikrokugeln besteht, die mit Gas gefüllt sind. Der ´Tricolore` setzte damals neue Maßstäbe in Sachen Rücksprungverhalten, Passgenauigkeit und Lebensdauer.“

Was bedeutet Rücksprungverhalten?

„Auf einen Fußball wirken extreme Kräfte ein. Ich habe Superzeitlupen gesehen von dem Moment, in dem der Ball geschossen wird oder auf eine Wand trifft. Der verformt sich in ungeheurem Ausmaß – und springt dann zurück in seine Ausgangsform. Das nennt man Rücksprungverhalten. Je schneller es ist, umso besser für die Spieler. Sie sollen in jeder Spielsekunde ein berechenbares Spielgerät vor den Füßen haben und kein Ei! Oder etwas fachlicher ausgedrückt: Ein gleichmäßiger Rückprall ist für die Spieler insbesondere bei der Annahme von langen Bällen – sei es mit der Brust, dem Fuß oder dem Kopf – enorm wichtig. Springt der Ball nicht wie erwartet ab, lässt er sich kaum kontrollieren. Wir testen das schon in der Entwicklung genauestens durch.“

Wie geschieht das?

„Im Labor wird der Ball aus zwei Metern Höhe zehnmal auf eine Stahlplatte fallengelassen. Bei einer bestimmten Temperatur muss der Ball gleichmäßig abspringen.“

Gibt es weitere Entwicklungssprünge in der Geschichte des Fußballs?

„Der „Roteiro“, 2004 zur Europameisterschaft in Portugal hervorgebracht, war der erste Ball, der nicht mehr genäht, sondern komplett thermoverklebt wurde. Der Ball war dadurch akkurater und reaktionsschneller als je zuvor. Und dann der „Teamgeist“, 2006 bei der WM in Deutschland. Mit ihm wurde ein neues Design eingeführt: Es waren nicht mehr Fünf- oder Sechseck-Elemente, die verklebt wurden, sondern zungen- und propellerförmige Panels. Das Ergebnis: ein noch runderer Ball, der noch präziser zu spielen war.“

Sie nennen die Bälle beim Namen. Jeden Namen verbinden Sie mit besonderen Eigenschaften. Entwickelt sich zu jeder Neuentwicklung eine Art Beziehung?

„Ich bin persönlich seit dem ´Fevernova` in unserem Kundenprojekt mit adidas in der Verantwortung. Sie erinnern sich vielleicht? Der ´Fevernova` wurde 2002 zur WM in Südkorea und Japan auf den Markt gebracht. Wenn eine Neuentwicklung startet, legt uns das adidas-Team Anforderungen vor, die wir erfüllen müssen. Ob es sich um neue Oberflächen wie die ´Gänsehaut` beim ´Europass` 2008 handelt oder um neue Schutzlackierungen für den Designdruck auf der Außenhülle – wir haben es bisher immer ganz gut hingekriegt. Und wenn dann so ein Baby auf die Welt kommt und die Fußball-Familie weltweit entzückt, dann sind auch wir im Bayer-Team ein bisschen stolz.“

Was macht den aktuellen „Brazuca“ so besonders?

„Die Technologie, also das Mehrschichten-Konzept, ist so wie beim Vorgänger. Aber das Design ist natürlich Extra-Klasse. Die eingesetzten Farben sind Grün, Orange, Blau und Schwarz – so bunt und fröhlich wie der Karneval in Brasilien. Ein farbenfroher WM-Ball, ein richtiger Hingucker!“

Und die Spieler, mögen die den „Brazuca“ auch?

„Kein Ball zuvor ist so getestet worden, wie der ´Brazuca`. Profis, Amateure, alle sind begeistert. Das ist wichtig. Denn der offizielle WM-Ball wird auch in der Champions-League und in verschiedenen Ländern in den Top-Divisionen eingesetzt, beispielsweise auch in der deutschen Bundesliga. Und meinen persönlichen Test hat er auch bestanden: Beim Kick mit meinen Söhnen bei mir zu Hause auf dem Hof vor der Garage. Was eine ´Pocke` ist, wissen die Jungs heutzutage nicht mehr. Dafür spielen sie mit einem Hightech-Ball – und das nur zu gerne.“


Über Bayer MaterialScience:
Mit einem Umsatz von 11,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 gehört Bayer MaterialScience zu den weltweit größten Polymer-Unternehmen. Geschäftsschwerpunkte sind die Herstellung von Hightech-Polymerwerkstoffen und die Entwicklung innovativer Lösungen für Produkte, die in vielen Bereichen des täglichen Lebens Verwendung finden. Die wichtigsten Abnehmerbranchen sind die Automobilindustrie, die Elektro-/Elektronik-Branche sowie die Bau-, Sport- und Freizeitartikelindustrie. Bayer MaterialScience produziert an 30 Standorten rund um den Globus und beschäftigte Ende 2013 rund 14.300 Mitarbeiter. Bayer MaterialScience ist ein Unternehmen des Bayer-Konzerns.

Mehr Informationen finden Sie unter www.materialscience.bayer.com.

Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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Letzte Änderung: 5. Januar 2016 Copyright © Bayer AG