Freitag - 8. Mai 2015

CO2 als Rohstoff – Schritt in eine klimafreundliche Zukunft

Aus den Ausführungen von Dr. Karsten Malsch

Leiter Dream Production Bayer MaterialScience

(Es gilt das gesprochene Wort)


Frau Ministerin,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

auch ich freue mich, Sie im Namen von Bayer MaterialScience begrüßen zu dürfen.

Dass wir heute für die Dream Production ausgezeichnet werden, was uns mit Stolz erfüllt, das hätten wir uns wahrlich nicht träumen lassen.

Einen großen Traum hatten wir aber schon – einen Traum, dem unsere Industrie und viele Forscher weltweit über Jahrzehnte nachgehangen haben. Es ist der Traum, Kohlendioxid nutzbar zu machen, den Schadstoff in einen Rohstoff zu verwandeln.

Dass bei CO2 Handlungsbedarf besteht, ist klar. Mehr als 30 Milliarden Tonnen des Gases entlässt die Menschheit inzwischen Jahr für Jahr in die Atmosphäre, zum Schaden des Weltklimas. Kein Traum – ein Albtraum.

Aber: CO2 kann im Grunde durchaus nützlich sein. Das Molekül enthält Kohlenstoff, die Basis eines ganzen Zweiges der Chemie. Entsprechend ist CO2 bereits vielfach nützlich. Die Natur lebt es uns vor, bei der pflanzlichen Photosynthese ebenso wie bei der Gesteinsbildung. Aber auch industriell kommt es bereits zum Einsatz, etwa wenn es Mineralwasser als Sprudel prickelnd macht, als Harnstoff zu Dünger wird und sogar zur Herstellung von Medikamenten – etwa Aspirin von Bayer.

Aber die Chemieindustrie wollte seit langem einen entscheidenden Schritt weitergehen und Kohlendioxid auch nutzbar machen, um Kunststoffe herzustellen. Auch diese basieren ja überwiegend auf Kohlenwasserstoffen.

Nun werden Sie vielleicht sagen – ja und? Warum sind Forschung und Unternehmen nicht schon längst zur Tat geschritten? Warum gibt es nicht bereits Kunststoffe aus CO2 und warum ist noch immer das kostbare und knappe Erdöl und Erdgas der Hauptlieferant des Kohlenstoffs?

Das, meine Damen und Herren, hat einen naturwissenschaftlichen Grund: CO2 ist extrem reaktionsträge, ein toter Hund, wenn Sie mir den Laborjargon erlauben. Als Endprodukt der Verbrennung geht es von sich aus nur unter hohem Energieaufwand Reaktionen mit anderen Substanzen ein. Aber Energie zu nutzen bedeutet ja in der Regel auch, weiteres CO2 freizusetzen, und das gilt es zu vermeiden. Denn wenn am Ende mehr Kohlendioxid emittiert als verwendet wird, dann ist ein Verfahren ökologisch und ökonomisch unwirtschaftlich.

Gesucht wurde also jahrzehntelang ein Motivator für das träge CO2 – ein passender Katalysator.

Einen solchen Katalysator haben wir nun entdeckt, zusammen mit Partnern aus der Wissenschaft. Das war alles anderes als einfach – es galt quasi, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Herr Professor Leitner von unserem Kooperationspartner, der RWTH Aachen, wird sicherlich gleich noch mehr dazu sagen.

Ich möchte ihm und all den anderen vielen klugen Köpfen hier im Saal, die an der Dream Production mitgewirkt haben, an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich danken. Ein großes Dankeschön geht auch an die Politik – hier im Lande und vor allem in Berlin, wo uns das Bundesministerium für Bildung und Forschung großzügige Unterstützung gewährt hat. Wir alle haben uns gefreut, als die Bundesregierung kürzlich verkündete, die Forschung für Nachhaltigkeit und damit auch Anstrengungen zur CO2-Nutzung weiter zu fördern.

Seitens Bayer MaterialScience können wir nur sagen: Es lohnt sich!

Denn CO2 zur Kunststoffproduktion zu nutzen – das ist nun nicht länger ein Traum. Wir lassen ihn wahr werden, und zwar schon im kommenden Jahr. Dann werden wir ein Produkt auf den Markt bringen, das zu einem Teil aus CO2 besteht. Üblicherweise wird es komplett aus fossilen Kohlenstoffquellen also Öl und Gas hergestellt – Substanzen, die nicht nur teuer sind und immer knapper werden, sondern durch deren übermäßige Nutzung der CO2-Überhang entsteht, der heute dem Weltklima so zu schaffen macht.

Meine Damen und Herren,

das Produkt, das wir nun mit CO2 produzieren, ist ein Polyol. In konventioneller Form, also komplett aus Erdöl oder Erdgas hergestellt, gibt es solche Polyole schon lange. Genutzt werden sie, um Polyurethan-Schaumstoffe herzustellen – ein Material, das sehr vielseitig ist und in zahlreichen Bereichen des Alltags vorkommt: als Weichschaum in Matratzen, Möbeln und Autositzen etwa oder in harter Form als Dämmstoff für Gebäude und Kühlgeräte.

Nun also Polyole auf CO2-Basis. Wir haben bereits in den vergangenen Jahren kleinere Mengen davon zu Testzwecken hergestellt und daraus Weichschaum gefertigt. Die Qualität hat sich als hervorragend erwiesen. Derzeit liegt der CO2-Gehalt im Polyol bei rund 20 Prozent. Das heißt, wir sparen 20 Prozent des normalerweise verwendeten Erdöls ein.

Unsere neuartigen Polyole sollen einen buchstäblich zum Träumen bringen. Wenn es nach unseren Vorstellungen geht, kann man nämlich bald schon sozusagen auf CO2 schlafen. Mit Matratzen aus Polyurethan-Weichschaum, der auf Kohlendioxid basiert.

Meine Damen und Herren,

dazu haben wir in Dormagen mit dem Bau einer Produktionsstraße begonnen, die eine Kapazität von 5.000 Tonnen Polyol pro Jahr besitzt. Das ist eine Investition von 15 Millionen Euro, rund fünf neue Arbeitsplätze werden dadurch entstehen. Anfang 2016 soll die neue Produktionsstraße fertiggestellt sein unmittelbar danach wollen wir dann dort die besagten Poyole herstellen.

Mit zahlreichen potenziellen Abnehmern stehen wir in Gesprächen. Soviel sei verraten: Das Interesse ist groß. Wir treffen damit offensichtlich einen Nerv: den zunehmenden Wunsch von Firmen und Endverbrauchern nach nachhaltig hergestellten Produkten.

Die Konsumenten brauchen übrigens keine Bedenken zu haben: Das CO2 ist chemisch fest im Produkt fixiert und kann nicht entweichen.

Eine gründliche Untersuchung der Umweltauswirkungen des neuen Verfahrens hat unser akademischer Partner vorgenommen, die RWTH Aachen. Ein vom Projekt unabhängiger Lehrstuhl an der Universität hat eine Ökobilanz erstellt. Mit einem Ergebnis, das ausgesprochen positiv ist: Durch die Nutzung von CO2 anstelle von Erdöl werden in der Polyol-Produktion weitaus mehr Energie und Kohlendioxid eingespart als bei konventionellen Prozessen.

Doch damit nicht genug. Unsere Träume gehen noch weiter. Wir wollen auf der einen Seite weitere Kunststoffarten mit CO2 als neuem Rohstoff herstellen. Zum Beispiel thermoplastische Polyurethane. Auch diese Kunststoffe kennt man aus dem Alltag – beispielsweise dienen sie zur Herstellung von Sportartikeln und der Ausstattung von Autoinnenräumen.

Wir möchten aber nicht nur mehr Produkte mit CO2 herstellen – uns schwebt auch vor, den Anteil an CO2 in diesen Produkten weiter zu erhöhen. Anders gesagt: Wir wollen künftig noch weniger petrochemische Rohstoffe, also vor allem Erdöl, als Kohlenstofflieferanten einsetzen.

Im einem weiteren unserer „Traum-Projekte“ namens Dream Polymers haben wir es beispielsweise geschafft, eine weitere Polyol-Art unter Verwendung von CO2 herzustellen. Das Ergebnis: Im neuen Produkt stecken nur noch 60 Prozent erdölbasiertes Ausgangsmaterial und bereits 40 Prozent alternative Rohstoffe.

Meine Damen und Herren,

auch wenn natürlich nicht aus jeder guten Idee am Ende ein marktgängiges Produkt wird: Bayer MaterialScience wird den Weg der Nachhaltigkeit weiter beschreiten. Wir haben uns diesem Prinzip fest verschrieben und werden konsequent weiter für nachhaltige Produkte und Herstellungsverfahren sorgen.

Nachhaltigkeit sollte zu einem Gütezeichen unserer Branche wie auch der gesamten Industrie werden. Denn nachhaltige Produkte und Prozesse tragen dazu bei, Deutschlands Rolle in der Welt als Hightech-Standort auszubauen. Wirtschaft, Wissenschaft und Politik tun gut daran, in diesem Zusammenhang auch die Nutzung von CO2 als neuem Rohstoff weiter voranzutreiben.

Dass wir hier heute durch Sie, verehrte Frau Ministerin, und durch die Landesinitiative KlimaExpo.NRW ausgezeichnet werden, zeigt nicht nur, dass und wie wir in der chemischen Industrie zum Klimaschutz, zu Ressourcenschonung, Effizienz und damit auch zum Gelingen der Energiewende beitragen können. Die Auszeichnung spornt uns auch an, diesen Weg weiter zu gehen, gerade auch für unsere Heimat, für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen.

Vielen Dank!

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Letzte Änderung: 5. Januar 2016 Copyright © Bayer AG