Mittwoch - 22. Februar 2017

Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Johannes Dietsch

Mitglied des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren,

wie schon in den vergangenen Jahren möchte ich Ihnen an dieser Stelle den Finanzbericht des Bayer-Konzerns näher erläutern. Bevor ich auf das Gesamtjahr 2016 eingehe, schauen wir uns zunächst die Geschäftsentwicklung im 4. Quartal 2016 an.


(2017-1501-1)

Auch im letzten Quartal des Jahres 2016 konnten wir unseren positiven Geschäftsverlauf fortsetzen. Der Konzernumsatz erhöhte sich auf 11,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Anstieg von 4,8 Prozent. Bitte beachten Sie, dass ich beim Umsatz immer von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen spreche. Der Umsatz unseres Segments Pharmaceuticals verbesserte sich um 7,1 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro. Zu dieser sehr erfreulichen Geschäftsentwicklung trugen insbesondere die Hauptwachstumsprodukte bei. Consumer Health steigerte den Umsatz um 4,4 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Der Umsatz von Crop Science ging um 1,6 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro im weiter schwierigen Marktumfeld zurück. Mit der Konzern-Umorganisation veröffentlichen wir seit dem Berichtsjahr 2016 auch die finanzielle Entwicklung von Animal Health. Dieses Segment erzielte einen Umsatzanstieg von 3,1 Prozent auf 0,3 Milliarden Euro. Insgesamt belief sich der Umsatz unserer Life-Science-Bereiche auf 8,8 Milliarden Euro. Da wir derzeit rund 64 Prozent der Covestro Aktien halten, wird dieses Geschäftsfeld weiterhin voll konsolidiert. Der Umsatz- und EBITDA-Beitrag fließt somit zu 100 Prozent in den Bayer-Konzernabschluss ein. Und wie Sie wahrscheinlich dem veröffentlichten Geschäftsbericht von Covestro entnommen haben, stieg der Covestro-Umsatz um mehr als 8 Prozent auf rund 3 Milliarden Euro. Covestro profitierte im vierten Quartal von Mengen- und Preissteigerungen.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen des Bayer-Konzerns verbesserte sich im 4. Quartal um 13,7 Prozent auf knapp 2,2 Milliarden Euro, vor allem aufgrund der positiven Geschäftsentwicklung bei Pharmaceuticals und Covestro. Aber schauen wir uns die Ergebnisentwicklung etwas genauer an – nämlich pro Segment:

Bei Pharmaceuticals lag das EBITDA vor Sondereinflüssen mit 1,2 Milliarden Euro um 12,2 Prozent über dem Vorjahr. Dieser Ergebniszuwachs ist auf die sehr gute Geschäftsausweitung – insbesondere unserer Hauptwachstumsprodukte – zurückzuführen. Dagegen sank das bereinigte EBITDA von Consumer Health um 3,4 Prozent auf 372 Millionen Euro. Bei Crop Science erhöhte sich das EBITDA vor Sondereinflüssen geringfügig um 1,2 Prozent auf 351 Millionen Euro. Für die Life-Science-Bereiche in Summe lag das bereinigte EBITDA mit 1,8 Milliarden Euro knapp 9 Prozent über Vorjahr. Dank der positiven Preis- und Mengeneffekte im Umsatz kombiniert mit weiterhin niedrigen Rohstoffkosten stieg das EBITDA vor Sondereinflüssen von Covestro um mehr als 45 Prozent auf 373 Millionen Euro.

Im 4. Quartal erhöhte sich das bereinigte Ergebnis je Aktie für das fortzuführende Geschäft von 1,08 Euro im Jahr 2015 auf 1,19 Euro im Jahr 2016. Dies entspricht einem Anstieg von mehr als 10 Prozent. Im bereinigten Ergebnis je Aktie berücksichtigen wir 64 Prozent des Covestro-Ergebnisses. Der Covestro-Anteil im bereinigten Ergebnis je Aktie des Bayer-Konzerns für das 4. Quartal 2016 lag bei circa 11 Cent.


(2017-1501-2)

Kommen wir zum Gesamtjahr 2016, das sowohl strategisch als auch operativ sehr erfolgreich war.

Mit unserer operativen Performance erreichten wir ein neues Rekordniveau. Der Umsatz stieg auf 46,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Umsatzzuwachs von 3,5 Prozent. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 10,2 Prozent auf 11,3 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 sind wir somit profitabel gewachsen mit einer Steigerung der bereinigten EBITDA-Marge zum Umsatz um 1,9 Prozentpunkte auf 24,2 Prozent. Auch das EBIT vor Sondereinflüssen erhöhte sich um 15,2 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro.

Sondereinflüsse in Höhe von fast 1,1 Milliarden Euro belasteten jedoch das EBIT. Diese lagen mit 269 Millionen Euro über dem Vorjahr und resultieren im Wesentlichen aus Wertberichtigungen auf immaterielle Vermögenswerte in Höhe von 561 Millionen Euro – vor allem durch die Wertminderung im Zusammenhang mit Essure. Des Weiteren entstanden Aufwendungen aus Effizienzsteigerungsprogrammen in Höhe von 242 Millionen Euro. Weitere Aufwendungen entfielen auf die Integration erworbener Geschäfte bei Consumer Health in Höhe von 100 Millionen Euro und für die vereinbarte Akquisition von Monsanto von 86 Millionen Euro. Außerdem belasteten Vorsorgen für Verteidigungskosten – im Wesentlichen im Segment Pharmaceuticals – in Höhe von 94 Millionen Euro das Ergebnis.

Unter Berücksichtigung dieser Sondereffekte stieg das EBIT des Bayer-Konzerns dennoch um 12,8 Prozent auf mehr als 7 Milliarden Euro.


(2017-1501-3)

Ich komme nun zum Finanzergebnis. Es verschlechterte sich im Vergleich zu 2015 um 150 Millionen Euro, im Wesentlichen durch höhere Zinsaufwendungen. Im vergangenen Jahr profitierten wir von einem Zinsertrag in Höhe von 109 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Vertrags- und Patentverletzungsverfahren gegenüber Dow AgroSciences. Der Steueraufwand stieg 2016 auf mehr als 1,3 Milliarden Euro. Die Steueraufwandsquote betrug somit 22,6 Prozent.

Unter Berücksichtigung des Ergebnisses nach Steuern aus nicht fortgeführtem Geschäft und Anteilen anderer Gesellschafter ergab sich ein Konzernergebnis von 4,5 Milliarden Euro. Dies entspricht einem Plus von 10,2 Prozent. Das Ergebnis je Aktie verbesserte sich um 9,5 Prozent auf 5,44 Euro. Bitte beachten Sie, dass sich die unterstellte Aktienanzahl seit der Platzierung der Pflichtwandelanleihe im November 2016 geändert hat. Die gewichtete durchschnittliche Aktienanzahl erhöht sich – gemäß internationaler Rechnungslegung – ab dem Zeitpunkt des Vertragsabschlusses der Pflichtwandelanleihe, obwohl die neuen Aktien erst bei Wandlung – spätestens im November 2019 – begeben werden. Wir haben für die Berechnung des Ergebnisses je Aktie für 2016 eine Aktienanzahl von rund 832,5 Millionen Aktien unterstellt. Das bereinigte Ergebnis je Aktie aus fortzuführendem Geschäft belief sich auf erfreuliche 7,32 Euro im Vergleich zu 6,82 Euro im Vorjahr. Der darin enthaltene Covestro-Anteil lag bei circa 71 Cent. Ohne den Effekt der Pflichtwandelanleihe läge das bereinigte Ergebnis je Aktie um 5 Cent höher.


(2017-1501-4)

Schauen wir uns jetzt noch die Cashflow-Entwicklung 2016 im Vergleich zum Vorjahr an. Beim operativen Cashflow aus fortzuführendem Geschäft erzielten wir einen erfreulichen Zuwachs von über 20 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Hier profitierten wir vor allem von der verbesserten Ergebnissituation und einer verringerten zusätzlichen Mittelbindung im Nettoumlaufvermögen. Dagegen stiegen jedoch die gezahlten Ertragsteuern auf fast 2,1 Milliarden Euro für das Gesamtjahr 2016.

Auch im vergangenen Jahr haben wir wieder kräftig in Sachanlagen und immaterielle Vermögensgegenstände investiert, wie zum Beispiel in die Erweiterung der Herstellkapazitäten für neue rFaktor-VIII-Therapien in Wuppertal und Leverkusen sowie in die Kapazitätserweiterungen für die Herbizid-Produktion in den USA und Deutschland.

Die Nettofinanzverschuldung konnten wir von 17,5 Milliarden Euro per Ende 2015 auf 11,8 Milliarden Euro per Ende 2016 reduzieren. Mittelzuflüsse aus der operativen Geschäftstätigkeit und die Begebung einer Pflichtwandelanleihe standen Mittelabflüssen für Dividenden und Investitionen gegenüber. Außerdem führte ein Zufluss aus dem Verkauf des Diabetes-Care-Geschäfts zum Abbau der Nettofinanzverschuldung.


(2017-1501-5)

Herr Baumann hat Ihnen schon einige Aspekte zur Übernahmevereinbarung mit Monsanto beziehungsweise zum Status Quo erläutert. Ich möchte Ihnen nun einige weitere Details zu den Monsanto-Finanzierungsaktivitäten im vergangenen Jahr vorstellen.

In den ersten vier Monaten des Jahres 2016 starteten die Vorbereitungen für den Bankkredit mit der Ausarbeitung einer Kreditdokumentation. Recht früh im Prozess erhielten wir von zwei Banken eine unverbindliche Finanzierungsbestätigung – einen sogenannten „Highly confident Letter“. Dieser beinhaltete eine Einigung über die Finanzierungsvereinbarung sowie die damit verbundenen Kosten. Nachdem die Transaktion öffentlich geworden war, wurde die Bankengruppe um drei weitere Banken erweitert, um das Finanzierungsrisiko zu streuen. Zeitgleich mit der Unterzeichnung der Übernahmevereinbarung wurde auch die Finanzierung mit diesen fünf Banken im Volumen von 57 Milliarden US-Dollar unterzeichnet. Anfang Oktober 2016 wurde die Aussyndizierung des Bankkredits an weitere 21 sogenannte Relationship-Banken erfolgreich abgeschlossen. Dies ist der größte Bankkredit, den ein deutsches Unternehmen jemals aufgenommen hat, und die drittgrößte Akquisitionsfinanzierung weltweit.

Auch mit der Refinanzierung der vereinbarten Monsanto-Übernahme kommen wir gut voran. Die Ausfinanzierung erfolgt in Abhängigkeit vom jeweiligen Kapitalmarkt­umfeld. Diesen Prozess haben wir im November 2016 mit der erfolgreichen Platzierung einer Pflichtwandelanleihe über 4 Milliarden Euro mit 3 Jahren Laufzeit gestartet. Die Pflichtwandelanleihe wird bei Fälligkeit in neuen Aktien der Bayer AG getilgt. Mit einem Coupon von 5,625 Prozent, einem Premium von bis zu 20 Prozent und vollständiger Dividendenanpassung traf diese außergewöhnlich großvolumige Anleihe auf gute Nachfrage. Aufgrund des günstigen Marktumfeldes haben wir uns für eine Platzierung der Pflichtwandelanleihe schon im November 2016 entschieden. Es ist die bis dahin größte Pflichtwandelanleihe, die ein nicht Finanz-Unternehmen in Europa je platziert hat. Nach Berücksichtigung von Transaktionskosten und Abgrenzung von 0,2 Milliarden Euro latenter Steuern wurde diese Anleihe mit einem Betrag von 3,5 Milliarden Euro in der Kapitalrücklage und mit rund 0,7 Milliarden Euro in den sonstigen Finanzverbindlichkeiten erfasst. Wie schon eingangs erwähnt, erhöht sich die gewichtete durchschnittliche Anzahl der Aktien ab Vertragsabschluss der Pflichtwandelanleihe.

Meine Damen und Herren,

ein Gelingen derart großvolumiger Transaktionen ist nicht selbstverständlich. Dass wir die Aufgaben so erfolgreich gemeistert haben, ist auch ein Beleg für das hohe Ansehen von Bayer am Kapitalmarkt. Für weitere Ausfinanzierungen der Akquisitionsfinanzierung planen wir Unternehmens- und Hybridanleihen sowie die zusätzliche Eigenkapitalaufnahme über eine Bezugsrechtskapitalerhöhung. Sollten sich Möglichkeiten für eine Optimierung unserer Finanzierungstruktur, der eingesetzten Instrumente oder des Zeitplans der Finanzierungsschritte ergeben, werden wir diese Möglichkeiten natürlich in Betracht ziehen.


(2017-1501-6)

Abschließend möchte ich Ihnen die Geschäftsentwicklung im Kontext der vergangenen Jahre aufzeigen:

• Unseren Umsatz konnten wir auch in diesem Jahr auf 46,8 Milliarden Euro steigern. Vor allem Mengensteigerungen führten zu dieser Erhöhung.

• Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich erneut auf jetzt 11,3 Milliarden Euro. Auch die EBITDA-Marge zum Umsatz konnten wir – dank der positiven Ergebnisentwicklung bei Pharmaceuticals und Covestro – deutlich verbessern. Trotz gestiegener Sonderaufwendungen verbesserten sich unsere Ergebniskennzahlen.

• Dies zeigt sich auch in der Entwicklung des bereinigten Ergebnisses je Aktie. Auch hier erzielen wir einen neuen Höchstwert mit 7,32 Euro.

• Unsere Aktionäre erhielten in den vergangenen Jahren eine stetig steigende Dividende. Auch in diesem Jahr schlagen Vorstand und Aufsichtsrat von Bayer der Hauptversammlung eine Dividendenerhöhung vor. Aufgrund der erfreulichen Geschäftsentwicklung soll die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr um 20 Cent pro Aktie auf 2,70 Euro angehoben werden. Bezogen auf das bereinigte Ergebnis pro Aktie entspräche dies einer Ausschüttungsquote von 37 Prozent. Die Ausschüttungssumme würde 2,2 Milliarden Euro betragen. Wir freuen uns, dass auch unsere Aktionäre mit einer steigenden Dividende an dem positiven Geschäftsverlauf von Bayer teilhaben können.

Vielen Dank.


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Mitteilung kann zukunftsgerichtete Aussagen enthalten. Tatsächliche Ergebnisse können wesentlich von den in solchen zukunftsgerichteten Aussagen enthaltenen Einschätzungen oder Vorhersagen abweichen. Faktoren, die zu einem solchen Abweichen tatsächlicher Ergebnisse führen können, sind unter anderem: Ungewissheiten bezüglich des Zeitpunkts des Vollzugs der beabsichtigten Transaktion; das Risiko, dass die Parteien die von der beabsichtigten Transaktion erwarteten Synergien und Effizienzsteigerungen nicht innerhalb des erwarteten Zeitraums (oder überhaupt nicht) erzielen oder die Integration des Geschäftsbetriebs der Monsanto Company („Monsanto“) in die Bayer Aktien­gesellschaft („Bayer“) nicht gelingt; dass die Integration von Monsanto schwieriger, zeitaufwendiger oder teurer verläuft als erwartet; dass die Umsätze nach dem Vollzug der beabsichtigten Transaktion niedriger ausfallen als angenommen; dass Betriebskosten, der Verlust bestehender Kundenbeziehungen oder Störungen des gewöhnlichen Geschäftsablaufs infolge der beabsichtigten Transaktion (einschließlich Schwierigkeiten in der Aufrechterhaltung bestehender Beziehungen mit Arbeitnehmern, Kunden oder Lieferanten) höher bzw. schwerwiegender ausfallen als erwartet; der mögliche Verlust wichtiger Schlüsselarbeitnehmer von Monsanto; Risiken im Zusammenhang mit der Ablenkung des Managements von Monsanto vom operativen Tagesgeschäft durch die beabsichtigte Transaktion; dass die Bedingungen für den Vollzug der beabsichtigten Transaktion nicht erfüllt werden oder die erforderlichen behördlichen Genehmigungen nicht planmäßig oder zu den erwarteten Bedingungen eingeholt werden können; die Erfüllbarkeit der Erwartungen der Parteien hinsichtlich des Zeitpunkts, des Vollzugs sowie der steuerlichen und bilanziellen Behandlung der beabsichtigten Transaktion; die Folgen der beabsichtigten Fremdkapitalaufnahme durch Bayer im Zusammenhang mit der beabsichtigten Transaktion sowie deren mögliche Auswirkungen auf das Rating von Bayer; die Auswirkungen des beabsichtigten Zusammenschlusses von Bayer und Monsanto, einschließlich der zukünftigen Finanzlage, des operativen Ergebnisses, der Strategie sowie der Pläne des kombinierten Unternehmens; weitere Faktoren, die in dem von Monsanto bei der US-amerikanischen Securities and Exchange Commission („SEC“) eingereichten Jahresbericht (Form 10-K) für das am 31. August 2016 zu Ende gegangene Geschäftsjahr und anderen von Monsanto bei der SEC eingereichten Berichten (erhältlich unter www.sec.gov und auf Monsantos Webseite unter www.monsanto.com) beschrieben sind; sowie andere Faktoren, die in den von Bayer veröffentlichten Berichten (erhältlich auf der Bayer-Webseite www.bayer.de) beschrieben sind. Soweit rechtlich nicht anders vorgeschrieben, übernehmen Bayer und Monsanto keine Verpflichtung, die in dieser Mitteilung enthaltenen Informationen zu aktualisieren. Zukunftsgerichteten Aussagen, deren Wirkung lediglich auf das Datum dieser Mitteilung abstellt, sollte keine unangemessene Bedeutung beigemessen werden.

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