Freitag - 29. April 2016

Hauptversammlung 2016:

Aus den Ausführungen von Dr. Marijn Dekkers

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)



Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Aktionärinnen und Aktionäre,

als ich vor sechs Jahren zum ersten Mal hier war, war das für mich ein spannender Moment. Ich war von außen zu Bayer geholt worden. Manches war mir noch fremd. Heute fühlt es sich fast an wie ein Heimspiel. Ein Heimspiel hat ein Holländer nicht oft in Deutschland. Ich weiß das sehr zu schätzen.

Noch mehr freut es mich, dass Sie die Arbeit des gesamten Vorstands unterstützen. Mit kritischem Blick, zum Teil auch mit kritischen Fragen. Zusammen mit dem Aufsichtsrat haben Sie unseren Kurs der letzten Jahre mitgetragen. Das hat unsere Arbeit erleichtert. Das hat uns ermuntert, den Weg fortzuführen. Den richtigen Weg für Bayer. Dafür möchte ich Ihnen sehr herzlich danken. Und im Namen des gesamten Vorstands begrüße ich Sie ebenso herzlich zu unserer Hauptversammlung.

Ich beginne mit einem Rückblick auf das vergangene Geschäftsjahr. Danach werde ich über den Wandel von Bayer sprechen und wie wir zugleich unser operatives Geschäft gestärkt haben. Es folgt ein Ausblick auf das Jahr 2016 mit einem erfolgreichen ersten Quartal. Und schließen werde ich mit einigen Anmerkungen zum Thema Innovation in Deutschland. Innovation durch Wissenschaft: Das war und ist mein Herzensthema. Innovation durch Wissenschaft: Das war und ist der Kern von Bayer.

2015 war ein sehr erfolgreiches Jahr für Bayer. Das gilt zum einen für unsere strategische Ausrichtung. Wir haben alle notwendigen Schritte unternommen, damit Bayer ein reines Life-Science-Unternehmen wird. In einem schwierigen Marktumfeld haben wir unsere Kunststoffsparte erfolgreich an die Börse gebracht. Unser Kerngeschäft sind jetzt die Life Sciences.

Zugleich war 2015 operativ ein weiteres Rekordjahr in unserer Geschichte.


(2016-1502-1)

Der Umsatz des Konzerns erhöhte sich auf 46,3 Milliarden Euro. Wenn wir Änderungen der Wechselkurse und im Portfolio berücksichtigen, betrug der Zuwachs 2,7 Prozent. Beim Umsatz werde ich immer von währungs- und portfoliobereinigten Veränderungen sprechen.

Bitte beachten Sie, dass in den Zahlen des Gesamtkonzerns auch Umsatz und Ergebnis von Covestro enthalten sind. Wir sind weiterhin zu 64 Prozent an dem Unternehmen beteiligt. Daher wird Covestro in unserem Konzernabschluss voll konsolidiert.

Nicht nur beim Umsatz hat Bayer 2015 Rekordwerte erzielt. Besonders erfreulich hat sich der Gewinn entwickelt. Wie Sie wissen, gibt es hier verschiedene Kennzahlen, EBIT und EBITDA. Dazu kommt die Bereinigung um Sondereinflüsse. Das ermöglicht einen besseren Vergleich zum Vorjahr. Die Details dazu finden Sie in unserem Geschäftsbericht. Dort finden Sie auch alle Zahlen zu den einzelnen Geschäftsbereichen.

Für den gesamten Konzern konnten wir das EBIT im vergangenen Jahr auf 6,3 Milliarden Euro steigern. Das ist ein Plus von knapp 16 Prozent. Das bereinigte EBITDA wuchs noch stärker um gut 18 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Und das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg auf 6,83 Euro. Das ist ebenfalls ein deutlicher Zuwachs um 16 Prozent. Mit den bereinigten Werten für das EBITDA und das Ergebnis je Aktie haben wir unsere Prognose sogar übertroffen.

Operativ war 2015 also sehr erfolgreich. Unsere Rentabilität ist sehr gut. Die bereinigte EBITDA-Marge lag 2015 bei 22,2 Prozent. Auch das ist ein neuer Höchstwert. Die Zahlen zeigen: Bayer wächst auf sehr solider Basis. Und wir wachsen vor allem organisch.

Damit das so bleibt, haben wir unsere Investitionen in die Zukunft weiter erhöht. 2015 haben wir 4,3 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung ausgegeben. Das waren 740 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Damit stärken wir unsere Innovationskraft. Damit sichern wir die Grundlage für künftiges Wachstum.

Auch 2015 waren unsere neueren Pharma-Produkte die stärksten Wachstumstreiber.


(2016-1502-2)

Der Gesamtumsatz bei Pharma betrug 13,7 Milliarden Euro. Davon entfielen 9,5 Milliarden Euro auf bereits etablierte Produkte. Der Umsatz der neueren Produkte betrug 4,2 Milliarden Euro. Das ist währungsbereinigt ein sehr starkes Wachstum von 42 Prozent. Das zeigt: Wir bringen unsere Erfindungen aus dem Labor erfolgreich zum Kunden.

Über unsere fünf neueren Produkte hatte ich bereits im Vorjahr gesprochen. In der Grafik sehen Sie, wie sich ihr Umsatz 2015 entwickelt hat. Auch hier sind die Veränderungen währungsbereinigt. Mit Zuwachsraten zwischen 25 und 89 Prozent sind alle neueren Produkte starke Wachstumstreiber. Und wir wollen ihren Anteil am Umsatz in den nächsten Jahren weiter vergrößern.


(2016-1502-3)

Auch bei Consumer Care konnten wir den Umsatz steigern. Er erhöhte sich auf 6,1 Milliarden Euro. ­Währungs- und portfoliobereinigt ist das ein Zuwachs um 6,1 Prozent. Nominal stieg der Umsatz ­sogar um 43 Prozent. Das lag vor allem an den von Merck & Co. erworbenen Produkten. Wir wachsen aber auch mit Produkten, die schon länger zum Bayer-Portfolio zählen. Canesten™ oder Bepanthen™ sind Beispiele, die Sie alle kennen. Ihren Umsatz haben wir 2015 ebenfalls gesteigert.

Wenn wir „Science For A Better Life“ sagen, meinen wir damit nicht nur die Gesundheit von Menschen. Es geht auch um die Gesundheit von Tieren und Pflanzen. Eine besondere Aufgabe kommt dabei innovativem Pflanzenschutz und Saatgut zu. Vielleicht erinnern Sie sich: Im vergangenen Jahr haben wir Ihnen einen Film über Weizen gezeigt. Es ging darum, wie unsere Forscher neue Weizensorten entwickeln. Neue Sorten, die auch unter schwierigen Bedingungen hohe Erträge bringen. Denn der Klimawandel macht die Arbeit für Landwirte in vielen Regionen der Erde immer schwieriger.

Heute schauen wir uns das Thema aus der Perspektive eines Betroffenen an. Sie kennen sein Gesicht aus unserem Geschäftsbericht. Es gibt ihn wirklich. Und jetzt erzählt er seine Geschichte.

Sie sehen: Wir helfen Landwirten, damit sie auch unter schwierigen Bedingungen erfolgreich wirtschaften können. So leisten wir einen Beitrag zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung.

Auch mit unseren Crop-Science-Produkten konnten wir 2015 den Umsatz steigern. Währungs- und portfolio­bereinigt nahm er um 1,7 Prozent zu auf 10,4 Milliarden Euro. Damit sind wir in einem schwachen Markt­umfeld stärker gewachsen als unsere wichtigsten Wettbewerber im Durchschnitt. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 2,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Sehr geehrte Damen und Herren,

2015 – ein weiteres Rekordjahr für Bayer: gestiegene Umsätze, gestiegene Erträge. Das freut nicht nur uns. Es soll auch für Sie ein Grund zur Freude sein.


(2016-1502-4)

Wir möchten Sie am Erfolg des Unternehmens angemessen beteiligen. Daher hat der Vorstand dem Aufsichtsrat eine Erhöhung der Dividende vorgeschlagen. Nach 2,25 Euro im Vorjahr wollen wir nun 2,50 Euro je Aktie ausschütten. Das entspricht einer Erhöhung um 11 Prozent. Die Ausschüttungssumme steigt dadurch auf mehr als 2 Milliarden Euro. Zusammen mit dem Aufsichtsrat bitten wir Sie, diesem Vorschlag heute zuzustimmen.

Auch unseren Beschäftigten kommt der Erfolg zugute. Die Erfolgsbeteiligung für das vergangene Jahr betrug rund 1,1 Milliarden Euro. Auch das ist ein neuer Rekordwert. Und viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind selbst Aktionäre.


(2016-1502-5)

Wir sind sehr stolz darauf, dass der Großteil unserer Belegschaft sehr lange bei uns bleibt. Im vergangenen Jahr sind wir erneut als „Deutschlands bester Arbeitgeber“ in unserer Branche ausgezeichnet worden. Und branchenübergreifend gehören wir zu den besten zehn Unternehmen.

Wir müssen weltweit ein ausgezeichneter Arbeitgeber sein, wenn wir die besten Köpfe bei uns haben wollen. In den Labors genauso wie in der Produktion und im Vertrieb. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es, die neue Moleküle erfinden. Sie sind es, die neue Produkte herstellen. Und sie sind es, die neue Kunden gewinnen. Sie machen unseren Erfolg erst möglich.

Dafür möchte ich unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich danken!

Wir sind übrigens auf einem guten Weg, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. 2010 lag er bei 21 Prozent. Im Bereich der Life Sciences liegt er heute schon bei 30 Prozent. Und bis 2020 wollen wir den Anteil auf 35 Prozent steigern. Auch an der Spitze des Unternehmens hat sich etwas getan. Mit Erica Mann sitzt zum ersten Mal eine Frau im Vorstand der Bayer AG.

Sehr geehrte Damen und Herren,

aus den Medien kennen Sie das Thema Fachkräftemangel. Es wird auch in unserer Branche immer mehr zum Problem. Bei Bayer sind wir gut darauf vorbereitet. Seit Jahren spielt die berufliche Ausbildung bei uns eine große Rolle. Allein in Deutschland haben 2015 mehr als 900 Jugendliche bei uns eine Ausbildung begonnen. Außerdem haben wir weltweit rund 2.900 Berufspraktika an Studenten vergeben.

Unser Ausbildungsangebot geht über unseren eigenen Bedarf hinaus. Für uns ist das ein Ausdruck unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Gute Bildung und Ausbildung sind die Grundlage für ein erfülltes Erwerbsleben. Und sie sind die Grundlage für eine florierende Volkswirtschaft. Dazu leistet die Bayer AG ihren Beitrag.


(2016-1502-6)

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die große Zahl an Flüchtlingen aus Krisen- und Kriegsgebieten. Die ganze Gesellschaft ist hier gefordert. Als Unternehmen sehen wir uns mit in der Verantwortung.

Wir unterstützen zum Beispiel die medizinische Versorgung von Flüchtlingen in Österreich, Griechenland und der Türkei. Dazu haben wir im vergangenen Jahr Medikamente im Wert von knapp 1,5 Millionen Euro gespendet.

Hier in Deutschland konzentrieren wir uns darauf, jungen Flüchtlingen Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen. An unseren Standorten in Leverkusen und Berlin bieten wir berufsvorbereitende Kurse an. Und unsere Stiftung unterstützt zusammen mit mehreren Partnern ein innovatives Projekt für Flüchtlingskinder.

In unserem Geschäftsbericht finden Sie weitere Beispiele für unsere gemeinnützigen Projekte. Im vergangenen Jahr hat Bayer auch wieder Opfern von Naturkatastrophen geholfen. Sie erinnern sich wahrscheinlich an die schlimmen Erdbeben in Nepal. Wir haben dort Soforthilfe mit einer Medikamenten- und Geldspende geleistet.

Verantwortung muss man aber nicht nur dann beweisen, wenn andere in Not sind. In allem, was wir tun, wollen wir wirtschaftliches Wachstum verbinden mit sozialer und ökologischer Verantwortung.

Daher freut es uns, dass Bayer immer wieder für nachhaltiges Wirtschaften ausgezeichnet wird. Zum 16. Mal in Folge sind wir im „Dow Jones Sustainability World Index“ vertreten. Das ist weltweit einer der bedeutendsten Nachhaltigkeits-Indizes. Nur wenige Unternehmen sind dort so konstant vertreten wie wir.

Wir sehen das als Bestätigung und Ansporn. Wir werden unseren erfolgreichen Kurs als verantwortungsbewusstes Unternehmen fortsetzen.


(2016-1502-7)

Sehr geehrte Damen und Herren,

Bayer ist jetzt ein Life-Science-Unternehmen. Was bedeutet das?

Wir entwickeln Lösungen für die großen Herausforderungen der globalen Gesellschaft. Wir helfen Krankheiten zu bekämpfen. Wir tragen dazu bei, die Weltbevölkerung zu ernähren. Wir verschaffen Menschen bis ins hohe Alter eine hohe Lebensqualität. Wir stellen damit unsere Mission ins Zentrum unseres Handelns: „Bayer: ­Science For A Better Life“.

Der folgende Film zeigt uns, wie Lebensqualität im hohen Alter aussehen kann. Sie kommt nicht von selbst. Man muss etwas dafür tun. Man braucht viel Bewegung, gute Ernährung und die richtige Medizin. Die Damen und Herren in unserem Film haben das gut hinbekommen.

Der demografische Wandel stellt unsere Gesellschaft vor viele Herausforderungen. Eine davon sind Krankheiten im Alter. Wir sind froh, dass wir mit unseren Produkten die Lebensqualität von älteren Menschen in vielen Fällen steigern können.

Als Life-Science-Unternehmen konzentrieren wir uns auf das, was schon immer unsere Stärke war. Wir erfinden neue Moleküle. Wir kreieren sie. Und wir vermarkten sie erfolgreich als innovative Produkte. Das war und ist das Kerngeschäft von Bayer.

1863 haben unsere Gründer in der eigenen Küche angefangen. Das war ihr Labor. Sie kochten Farbstoffe aus Teer. Ein solcher Farbstoff war Fuchsin. Bayer und Weskott fanden heraus, wie man es industriell herstellen kann. Auch Carl Duisberg, den wir als großen Unternehmer kennen, begann als Chemiker im Labor. Er bekam für seine Erfindungen sogar eine Erfolgsbeteiligung. Ein anderer Bayer-Forscher fand heraus, wie man reine Acetylsalicylsäure herstellt. Sie alle kennen es als Aspirin. Und Gerhard Domagk bekam den Nobelpreis für Entdeckungen auf dem Feld der Antibiotika. So geht es durch die ganze Geschichte von Bayer. Wir erfinden Moleküle und nutzen sie für innovative Produkte. Gestern und heute. Deshalb wird Bayer auf der ganzen Welt für seine Innovationskraft geschätzt.

Ein Beispiel: Die Boston Consulting Group erstellt jedes Jahr eine Studie. Wer sind die innovativsten Unternehmen, weltweit und quer durch alle Branchen? Ganz oben stehen für 2015 wieder Apple und Google. Aber Bayer liegt jetzt schon auf Platz 11. Das ist eine große Anerkennung für unsere Innovationskraft.

Eine Leistung möchte ich besonders hervorheben. Im vergangenen Jahr hat ein Team von Bayer den Deutschen Zukunftspreis erhalten. Der Bundespräsident verleiht diesen Preis für herausragende Innovationen. 2015 ging er an zwei Bayer-Forscher, Prof. Dr. habil. Johannes-Peter Stasch und Dr. Reiner Frey, zusammen mit Prof. Dr. Ardeschir Ghofrani von der Universität Gießen. Professor Stasch und Dr. Frey sind heute bei uns. Einen herzlichen Glückwunsch und Applaus für unsere Bayer-Forscher!

Das Team bekam den Preis für ein neues Medikament gegen Lungenhochdruck. Der Wirkstoff heißt ­Riociguat. Sie kennen ihn besser unter dem Namen Adempas™. Es ist eines unserer fünf neueren Pharma-Produkte.

Um unsere Innovationskraft weiter zu stärken, haben wir 2015 das „Bayer Lifescience Center“ gegründet. Mit diesem Zentrum wollen wir neue Technologien für Bayer entdecken, fördern und zugänglich machen. Es ist unsere erste strategische Einheit speziell für artübergreifende Forschung an Mensch, Tier und Pflanze.

Dazu kooperieren wir mit erstklassigen jungen Unternehmen. Den Anfang macht ein Joint Venture mit der CRISPR Therapeutics AG. Das Unternehmen ist spezialisiert auf eine neue Technologie zur Gen-Editierung. Es ist ein bahnbrechender Ansatz zur Behandlung genetisch bedingter Krankheiten. Wir werden mindestens 300 Millionen US-Dollar in dieses Joint Venture investieren. Und wir wollen das „Bayer Lifescience Center“ ausbauen und weitere Partnerschaften schließen. Es wird uns helfen, Erkenntnisse aus der Wissenschaft noch schneller für die Entwicklung neuer Produkte zu nutzen.

Aus meinen Besuchen in unseren Labors auf der ganzen Welt weiß ich: Unsere Forscher brennen darauf, dass ihre Forschung nützlich wird. Sie wollen, dass ihre Arbeit Menschen hilft, ein besseres Leben zu führen.

Der folgende Film zeigt ein Beispiel, wie die moderne Medizin das Leben wieder zum Guten verändern kann.

Nach so einem Film versteht man, was uns bei Bayer antreibt. Und als Life-Science-Unternehmen können wir unsere Mission noch besser erfüllen. Wir erfinden Moleküle, die biochemische Prozesse in lebenden Organismen beeinflussen. Und daraus entwickeln wir innovative Produkte und Lösungen, um die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze zu verbessern. Ob Mensch, Tier oder Pflanze: Viele biochemische Prozesse laufen ähnlich ab. Daher lassen sich die Erkenntnisse oft übertragen. Nicht eins zu eins. Aber die Forschung muss nicht immer von vorne beginnen.

Wir haben uns im Vorstand gefragt: Wie können wir unsere Organisation anpassen, damit wir als Life-Science-Unternehmen möglichst erfolgreich sind?

Das Ergebnis ist eine neue Aufteilung in drei Divisionen.


(2016-1502-8)

Diese neue Organisation für unser Kerngeschäft ist seit Anfang des Jahres in Kraft. Wir führen das operative Geschäft jetzt über die drei Divisionen „Pharmaceuticals“, „Consumer Health“ und „Crop Science“.

Sie umfassen
- erstens unsere verschreibungspflichtigen Produkte;
- zweitens rezeptfreie Arzneimittel sowie Produkte zur Nahrungsergänzung und Gesundheitspflege;
- und drittens Produktionsmittel für die Landwirtschaft, vor allem Pflanzenschutz und Saatgut.

Alle drei Divisionen besetzen führende Positionen in ihren Märkten. Durch unsere Akquisitionen im Bereich rezeptfreier Produkte ist „Consumer Health“ groß genug, um als eigene Division geführt zu werden. Gemeinsam bilden unsere Divisionen ein starkes, ausgewogenes Portfolio. Es ist ausgewogen im Hinblick auf Nachfrageschwankungen und potenzielle Risiken.

Einen weiteren Aspekt der neuen Organisation möchte ich noch hervorheben. Zuvor hatten wir eine strategische Holding mit operativen Teilkonzernen. Das war hilfreich bei den größeren Veränderungen im Portfolio der vergangenen 15 Jahre.

Diese Struktur wird nun durch eine integrierte Organisation abgelöst. Die Leiter der Divisionen sitzen jetzt im Vorstand. Dadurch wird der Vorstand wieder stärker operativ. Und zugleich stehen die Divisionen stärker in der Verantwortung für Bayer als Ganzes. Die Dachmarke Bayer wird in Zukunft nach innen wie nach außen noch wichtiger werden.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben unsere strategischen Ziele erreicht. Und zugleich haben wir das operative Geschäft gestärkt. In den vergangenen fünf Jahren haben sich alle wichtigen Kennzahlen sehr positiv entwickelt.


(2016-1502-9)

Einige Kennzahlen haben wir hier zusammengestellt. Ich möchte nicht im Detail auf die einzelnen Werte eingehen. Aber wir haben den Umsatz seit 2011 von 37 auf 46 Milliarden Euro erhöht. Das bereinigte EBITDA stieg um 35 Prozent. Entsprechend ist auch die operative Marge gewachsen, von 20,8 auf 22,2 Prozent. Und das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg um 41 Prozent.

Das ist ein eindrucksvoller Beweis für den nachhaltigen Erfolg von Bayer. Unsere Strategie hat für anhaltendes Wachstum und steigende Ertragskraft gesorgt.

Fast noch wichtiger ist mir aber die letzte Grafik (rechts unten). Das sind unsere Ausgaben für For­schung und Entwicklung. Wir haben sie seit 2011 um 46 Prozent erhöht. Also fast um die Hälfte! Die anderen Grafiken zeigen unseren bisherigen Erfolg. Aber „Forschung und Entwicklung“ steht für die Zukunft. Das sind Investitionen für morgen. Forschung und Entwicklung bringen neue Moleküle. Neue Produkte. Neue Lösungen. Das ist Wachstum für morgen.


(2016-1502-10)

Auch der Aktienkurs hat sich seit 2011 sehr erfreulich entwickelt. Sie sehen hier unsere Performance im Vergleich zu DAX und EuroStoxx 50. Diese positive Wertentwicklung begründet unsere ausgezeichnete Stellung am Kapitalmarkt. Ende März hatten wir gemäß Definition der Deutschen Börse die größte Marktkapitalisierung aller DAX-Unternehmen. Das ist ein Ergebnis unseres erfolgreichen Wachstumskurses. Wir wollen ihn mit guten Geschäftsergebnissen fortsetzen.


(2016-1502-11)

2016 erwarten wir sowohl für Umsatz als auch Ertrag eine weitere Steigerung.

In der Mitte sehen Sie unsere Prognose für das Kerngeschäft, die Life Sciences. Hier rechnen wir mit einem Umsatz von etwa 35 Milliarden Euro. Währungs- und portfoliobereinigt entspricht das einem Zuwachs im mittleren einstelligen Prozentbereich. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen erwarten wir ebenfalls eine Steigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich.

Die rechte Spalte zeigt die Prognose für den gesamten Konzern. Sie schließt – aufgrund unserer Mehrheitsbeteiligung – Covestro ein. Für den Umsatz planen wir mit einem Wachstum auf über 47 Milliarden Euro. Für das EBITDA vor Sondereinflüssen erwarten wir eine Steigerung im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das Gleiche gilt für das bereinigte Ergebnis je Aktie.


(2016-1502-12)

Am Dienstag haben wir unsere Zahlen für das erste Quartal veröffentlicht. Es war ein erfolgreicher Start in das neue Geschäftsjahr. Der Konzern steigerte den Umsatz auf 11,9 Milliarden Euro. Das sind währungs- und portfoliobereinigt plus 3,2 Prozent. Das bereinigte EBITDA stieg um 15,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Alle Life-Science-Segmente konnten ihre operative Performance steigern. Unseren Ausblick haben wir nach diesem erfolgreichen Start bestätigt.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin überzeugt, dass Bayer eine gute Zukunft vor sich hat. Mein Nachfolger Werner Baumann wurde zur gleichen Zeit wie ich in den Vorstand berufen. Er kennt Bayer sehr, sehr gut. Und er hat ein starkes Vorstands-Team um sich. Ich danke dir, lieber Werner, für die gute Zusammenarbeit in den letzten sechs Jahren. In deinem neuen Amt wünsche ich dir eine glückliche Hand und viel Erfolg!

Als Life-Science-Unternehmen kann Bayer weiter seine große Stärke ausspielen. Diese Stärke ist die Kraft zur Innovation.

Was mir aber Sorgen bereitet, ist das Umfeld. Tun wir in Deutschland und Europa wirklich genug für Innovationen? Haben wir die richtigen Rahmenbedingungen? Sehen wir die Chancen durch neue Technologien? Oder schauen wir immer nur auf die Risiken?

Für Bayer sind Innovationen die Zukunft. Daher tun wir alles, um sie zu fördern. Aber Innovationen sind auch die Zukunft für Deutschland und Europa. Beschäftigung, Wachstum und Wohlstand hängen davon ab. Nur mit Innovationen können wir im globalen Wettbewerb bestehen. Tut die Politik genug, um sie zu fördern? Oder lassen wir zu, dass einige Gruppen den Fortschritt verhindern?

Ich bin überzeugt, dass die Politik noch mehr tun kann. Wie wäre es, wenn wir auf europäischer Ebene ein Innovationsprinzip einführen? Eine Art Innovations-TÜV. Bei jeder Regulierung müsste dann darauf geachtet werden: Fördert sie Innovationen? Oder werden sie behindert?

Auch national muss es weitere Schritte geben. Ich nenne drei Beispiele.

Erstens: Wir brauchen vernünftige Regelungen im Gesundheitssystem. Neue Medikamente müssen sich für Pharma-Unternehmen rentieren. Sonst können wir steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung nicht mehr finanzieren. Dann gibt es keine Innovationen mehr.

Zweitens: Fast alle Industrieländer haben eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung. Warum gibt es sie noch nicht in Deutschland?

Und drittens: Wir brauchen mehr Anreize für Wagniskapital. Damit bekommen Start-up-Unternehmen eine Perspektive. Das hilft auch Bayer. Wir haben dann mehr Möglichkeiten, mit jungen Unternehmen in Deutschland zu kooperieren. Es fördert das Umfeld, das für Innovationen nötig ist.

Ein solches Umfeld ist für ein innovatives Unternehmen lebenswichtig. Wir brauchen eine Innovationskultur. Deshalb habe ich in meiner Amtszeit immer den Dialog gesucht. Ich habe in der Politik dafür geworben, dass Innovationen gefördert werden. Ich habe in den Medien unsere Positionen klargemacht. Ich habe versucht, unsere Kritiker zu überzeugen. Das ist oft schwierig, weil manche Kritiker nicht auf Argumente hören wollen. Aber man sollte über Chancen und Risiken aufgrund von Fakten diskutieren.

Diesen Dialog muss man aktiv führen. Man muss beharrlich sein. Das kostet Zeit. Das kostet Kraft. Aber es ist notwendig. Es ist notwendig, damit aus Wissenschaft Innovation entstehen kann. Es ist notwendig, damit wir mit unseren Erfindungen vielen Menschen helfen können. Es ist notwendig, damit Bayer seine Mission erfüllen kann: „Science For A Better Life“.

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Aktionäre, auch Sie können dazu beitragen, die Innovationskultur in diesem Land zu stärken. Sprechen Sie darüber. Werben Sie dafür. Für mehr Neugier. Für mehr Offenheit. Für mehr Mut zu Innovationen. Das ist gut für Deutschland. Das ist gut für Europa. Und es ist gut für Bayer.

Ich bin sehr dankbar, dass ich dieses tolle Unternehmen eine Zeitlang mitgestalten durfte. Es war eine wunderbare Zeit mit großartigen Kolleginnen und Kollegen. Ich danke Werner Wenning, seinem Vorgänger Manfred Schneider und dem ganzen Aufsichtsrat für das Vertrauen. Ich danke allen, die unseren gemeinsamen Weg so erfolgreich gemacht haben.

Bayer ist jetzt ein Life-Science-Unternehmen. Bayer ist jetzt noch besser darin, aus exzellenter ­Wissenschaft erfolgreiche Produkte zu machen. Das ist Wissenschaft für ein besseres Leben. „Science For A Better Life“.

Sie, liebe Aktionärinnen und Aktionäre, sind diesen Weg mitgegangen. Ich danke Ihnen für Ihre treue Unterstützung.

Bleiben Sie Bayer verbunden!


Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung des Bayer-Konzerns bzw. seiner Teilkonzerne beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

Download Center


 
0
  Datei(en) gesammelt
Download Center öffnen

Ansprechpartner