Donnerstag - 25. Februar 2016

Bilanz-Pressekonferenz

Aus den Ausführungen von Dr. Marijn Dekkers

Vorsitzender des Vorstands der Bayer AG

(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße Sie zur Vorstellung unseres Jahresabschlusses für das vergangene Jahr. Ich freue mich, dass Sie auch heute wieder bei uns sind.


(2016-1500-1)

Das Geschäftsjahr 2015 war für Bayer ein sehr erfolgreiches Jahr – sowohl operativ als auch strategisch.

Operativ war es erneut ein Rekordjahr für Bayer. Der Umsatz war mit über 46 Milliarden Euro so hoch wie nie zuvor in der Geschichte des Unternehmens. Und auch beim bereinigten Ergebnis erreichten wir mit einem deutlichen Plus von rund 18 Prozent ein neues Rekordniveau von über 10 Milliarden Euro.

Strategisch haben wir alle notwendigen Schritte unternommen, um Bayer zu einem reinen Life Science Unternehmen zu machen.

Wir haben unseren früheren Teilkonzern MaterialScience unter dem Namen Covestro erfolgreich an die Börse gebracht.

Und wir haben mit der Neuorganisation von Bayer die Weichen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens gestellt. Seit Anfang 2016 haben wir anstelle der strategischen Management-Holding eine integrierte Struktur – mit den drei Divisionen Pharmaceuticals, Consumer Health und Crop Science. Die Leiter der Divisionen sind jetzt auch im Vorstand der Bayer AG. Das steigert die operative Verantwortung und führt schneller zu Entscheidungen.

Ich freue mich, Ihnen unsere neuen Vorstandsmitglieder bei dieser Gelegenheit heute hier vorstellen zu dürfen: Erica Mann, die der Division Consumer Health vorsteht; Liam Condon als Chef von Crop Science sowie Dieter Weinand, Leiter der Division Pharmaceuticals. Neu im Vorstand ist außerdem Hartmut Klusik. Er verantwortet seit Anfang des Jahres den Bereich Personal, Technologie und Nachhaltigkeit und ist der Arbeitsdirektor der Bayer AG.

Die übrigen anwesenden Vorstandsmitglieder kennen Sie bereits: Werner Baumann, zuständig für Strategie und Portfoliomanagement und in zwei Monaten mein Nachfolger, unseren Finanzvorstand Johannes Dietsch und Kemal Malik, der den Bereich Innovation verantwortet.

Neben den wichtigen organisatorischen Veränderungen konnten wir unsere Strategie mit weiteren Transaktionen untermauern. So haben wir unser Diabetes-Care-Geschäft an die japanische Panasonic Healthcare Holdings verkauft. Ein weiteres Beispiel ist die Übernahme von SeedWorks India mit Sitz in Hyderabad. Dadurch haben wir das Gemüsesaatgutgeschäft von Crop Science weiter gestärkt.

Gleichzeitig haben wir die Integration der Consumer-Care-Geschäfte von Merck & Co. und von Dihon, die wir im Jahr 2014 übernommen hatten, weiter vorangetrieben. Diese Akquisitionen erweiterten unser Consumer-Health-Portfolio um wesentliche Produkte in wichtigen Märkten. Das Geschäft hat nun die geeignete Größe, um neben Pharmaceuticals und Crop Science unsere dritte Division zu bilden.

Lassen Sie mich nun die Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 erläutern. Ich werde mich dabei zunächst auf die alte Unternehmensstruktur beziehen, die für das Berichtsjahr 2015 maßgeblich ist.


(2016-1500-2)

Der Konzernumsatz erhöhte sich im Jahr 2015 um 2,7 Prozent auf 46,3 Milliarden Euro. Den größten Beitrag dazu haben erneut unsere Life Science Geschäfte geliefert – vor allem HealthCare erzielte kräftige Umsatz- und Ergebnissteigerungen. Covestro wird aufgrund unserer Mehrheitsbeteiligung weiter voll konsolidiert. Hier ging der Umsatz zurück. Bitte beachten Sie, dass ich beim Umsatz immer von währungs- und portfolio-bereinigten Veränderungen spreche.

Besonders erfreuliche Zuwächse konnten wir im vergangenen Jahr beim Ergebnis erzielen. Das EBIT des Bayer-Konzerns stieg um rund 16 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro. Darin enthalten sind Sonderaufwendungen in Höhe von 819 Millionen Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen erhöhte sich um rund 18 Prozent auf 10,3 Milliarden Euro. Dazu trugen positive Währungseffekte mit etwa 680 Millionen Euro bei. Das bereinigte Ergebnis je Aktie konnten wir um 16 Prozent auf 6,83 Euro steigern.

Gleichzeitig haben wir aber auch im vergangenen Jahr wieder erheblich in die Zukunft investiert. So haben wir rund 740 Millionen Euro mehr für Forschung und Entwicklung ausgegeben als im Vorjahr. Damit sind unsere Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 2011 bis 2015 kontinuierlich gestiegen – von 2,9 Milliarden Euro auf 4,3 Milliarden Euro.

Dies zeigt: Wir denken und handeln langfristig und erzielen unsere guten Ergebnisse nicht auf Kosten unserer Zukunftsfähigkeit und Innovationskraft.

Meine Damen und Herren,

werfen wir nun einen Blick auf unsere Finanz-Performance in den vergangenen fünf Jahren.


(2016-1500-3)

Wie Sie sehen, konnten wir die wichtigsten Finanzkennziffern kräftig steigern und erreichten 2015 ein neues Rekordniveau. Der Umsatz erhöhte sich in diesem Zeitraum um rund 10 Milliarden Euro, oder 27 Prozent. Die Ergebnis-Kennzahlen legten sogar noch stärker zu:

• Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg seit 2011 um genau zwei Euro – das entspricht einer Steigerung um mehr als 40 Prozent.
• Beim Konzernergebnis verzeichneten wir einen Anstieg um 1,6 Milliarden Euro, oder 64 Prozent.
• Auch das EBITDA vor Sondereinflüssen konnten wir deutlich steigern – um mehr als ein Drittel.
• Und die bereinigte EBITDA-Marge erhöhte sich kontinuierlich von 20,8 Prozent im Jahr 2011 auf 22,2 Prozent im vergangenen Jahr.

Ich möchte betonen, dass die Steigerung dieser Kennzahlen kein Selbstzweck ist. Sie zeigen aber, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Letztlich geht es darum, innovative Technologien und Produkte zu entwickeln, die unseren Kunden wirklich helfen. Auf einige konkrete Beispiele dazu werde ich später noch ausführlicher eingehen.

Zunächst aber möchte ich auf die Geschäftsentwicklung der einzelnen Teilkonzerne im vergangenen Jahr eingehen.


(2016-1500-4)

Zunächst zu HealthCare. Hier konnten wir den Umsatz im vergangenen Jahr um 8,1 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro steigern. Der Umsatz bei Pharma legte kräftig um 9,9 Prozent zu. Consumer Health steigerte den Umsatz ebenfalls deutlich um 5,1 Prozent.

Auch das Ergebnis konnten wir bei HealthCare kräftig verbessern. Das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA stieg um 19,8 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Alle Geschäfte trugen dazu bei. Hinzu kamen positive Wechselkurseffekte.

Auf der Kostenseite schlugen vor allem höhere Investitionen in Forschung und Entwicklung bei Pharma zu Buche. Bei Consumer Health erhöhten sich die Aufwendungen für Marketing und Vertrieb. Die bereinigte EBITDA-Marge lag mit 28,1 Prozent auf dem Niveau des Vorjahrs.

Zur Geschäftsentwicklung im Einzelnen: Bei Pharma hatten wieder unsere fünf neueren Produkte maßgeblichen Anteil an der positiven Geschäftsentwicklung. Der Umsatz mit unserem Gerinnungshemmer Xarelto™, dem Augenmedikament Eylea™, Adempas™ gegen Lungenhochdruck sowie den Krebsmedikamenten Stivarga™ und Xofigo™ stieg auf 4,2 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein beeindruckendes Plus von nominal 45 Prozent.

Der Umsatz mit Xarelto™ stieg deutlich, vor allem aufgrund zunehmender Absatzmengen in Deutschland und Japan. Auch in den USA, wo Xarelto™ von einer Tochtergesellschaft von Johnson & Johnson vermarktet wird, verzeichneten wir einen starken Umsatzanstieg. Eylea™ erzielte nach Zulassungen in weiteren Indikationen ebenso erhebliche Umsatzzuwächse, insbesondere in Europa und Japan.

Insgesamt konnten wir den Umsatz in unserem Pharma-Geschäft in allen Regionen erfreulich steigern. Besonders gut entwickelte sich das Geschäft in Deutschland, Japan und den USA.

Bei Consumer Health trugen alle Divisionen zum Umsatzwachstum bei. Bei Consumer Care – in unserer neuen Struktur die Division Consumer Health – erhöhte sich der Umsatz um 6,1 Prozent. Nominal hat sich der Umsatz bei Consumer Health um 30 Prozent erhöht. Neben den Währungseffekten, die sich auch hier positiv auswirkten, ist das vor allem auf die jüngst erworbenen Geschäfte zurückzuführen.

Mit den von Merck & Co. übernommenen Produkten erzielten wir im vergangenen Jahr einen Umsatz von 1,8 Milliarden Euro. Erfreulich entwickelte sich hier vor allem das Geschäft mit dem Antihistaminikum Claritin™. Es ist jetzt unser umsatzstärkstes Produkt bei Consumer Health.


(2016-1500-5)

Kommen wir nun zu CropScience. Hier stieg der Umsatz im vergangenen Jahr trotz eines schwächeren Marktumfelds um 1,7 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro. Damit sind wir stärker gewachsen als unsere wichtigsten Wettbewerber im Durchschnitt. Sowohl im Bereich Crop Protection/Seeds als auch bei Environmental Science verzeichneten wir ein Wachstum.

Das bereinigte EBITDA verbesserte sich um 2,4 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Die Absatzmengen nahmen zu, und auch die Verkaufspreise stiegen leicht. Auf der anderen Seite erhöhten sich aber auch die Herstellungskosten und die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung.

Der Umsatz von Crop Protection/Seeds stieg um 1,5 Prozent auf 9,5 Milliarden Euro. Im Bereich Crop Protection legte der Umsatz mit Fungiziden und Herbiziden erfreulich zu. Bei den Insektiziden und bei SeedGrowth verzeichneten wir dagegen einen deutlichen Rückgang. Im Saatgutgeschäft, das um 8,8 Prozent zulegte, entwickelte sich der Umsatz mit Sojabohnen- und Rapssaatgut besonders gut. Auch unser Gemüsesaatgut trug zum erfreulichen Wachstum bei.

Regional entwickelte sich das Geschäft von CropScience unterschiedlich: Während der Umsatz in Europa um 8,2 Prozent stieg, ging er in Nordamerika um 1,6 Prozent zurück. In der Region Lateinamerika/Afrika/Nahost konnte das Niveau des Vorjahrs gehalten werden – trotz des schwachen Marktumfelds, vor allem in Brasilien. In Asien/Pazifik lag der Umsatz mit einem Plus von 1,3 Prozent leicht über dem Vorjahr.


(2016-1500-6)

Lassen Sie mich nun auf Covestro eingehen. Da das Unternehmen vorgestern sein Zahlenwerk präsentiert hat, erlaube ich mir, es kurz zu machen.

Der Umsatz von Covestro sank im Geschäftsjahr 2015 um 5,1 Prozent auf knapp 12 Milliarden Euro. Der Hauptgrund dafür waren gesunkene Absatzpreise, während die Absatzmengen zulegten.

Das Ergebnis konnte Covestro dagegen kräftig steigern. Das EBITDA vor Sondereinflüssen verbesserte sich um 40 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Dies lag vor allem an stark gesunkenen Rohstoffpreisen und positiven Währungseffekten.

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich nun anhand einiger Beispiele erläutern, was hinter den Zahlen steht. Innovation steht im Mittelpunkt unserer Strategie und unserer Kultur. Wir entwickeln neue Moleküle, um mit innovativen Produkten die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze zu verbessern. Dabei setzen wir auf unsere engagierten, hoch qualifizierten Forscherteams – weltweit beschäftigen wir fast 15.000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Und wir arbeiten eng mit Universitäten, Forschungsinstituten und anderen Unternehmen zusammen. Dadurch sind wir technologisch immer am Puls der Zeit.


(2016-1500-7)

Wir haben vorhin gesehen, dass unsere fünf neueren Produkte die Wachstumstreiber bei Pharma sind.

Für eines davon, Adempas™, gab es kürzlich eine ganz besondere Form der Anerkennung: Für die Entwicklung des Wirkstoffs Riociguat erhielten die Bayer-Forscher gemeinsam mit ihren Kooperationspartnern von der Universität Gießen Ende vergangenen Jahres den Deutschen Zukunftspreis. Er wird vom Bundespräsidenten für herausragende Innovationsleistungen verliehen und ist die höchste deutsche Auszeichnung dieser Art.

Darauf sind wir sehr stolz. Zumal wir diese Auszeichnung nun schon zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre erhalten haben – nach 2009 für unser Thrombosemittel Xarelto. Für uns ist das eine sehr ermutigende Bestätigung und ein großer Ansporn. Und es bestärkt uns darin, auf dem eingeschlagenen Weg fortzufahren – als Life Science Unternehmen, das seine ganze Kraft in die Entwicklung innovativer Produkte steckt.

Dabei zeigt gerade Adempas™, wie wichtig Kooperationen sind. Das Wirkprinzip des Medikaments, die sogenannte sGC-Stimulation, wurde von Bayer-Forschern in Wuppertal entdeckt. Weiterentwickelt wurde es dann in enger Zusammenarbeit mit Lungenspezialisten der Universität Gießen.

Am Ende einer Forschungsreise, die insgesamt fast 20 Jahre gedauert hat, stand ein ganz neues Medikament gegen zwei Formen des Lungenhochdrucks. Bei einer der beiden ist Adempas™ sogar das erste zugelassene Medikament.

Lungenhochdruck ist eine schwere, fortschreitende Krankheit, bei der der Druck in den Lungenarterien deutlich erhöht ist. Dies kann zu Herzversagen und zum Tod führen. Die Patienten leiden an Schwindel, Kurzatmigkeit und Ohnmachtsanfällen. Viele sind so schwach, dass sie ihren Alltag kaum mehr bewältigen können.

Zwar kann Adempas™ die Krankheit nicht heilen. Aber es weitet die Blutgefäße in der Lunge und verbessert so die Sauerstoffversorgung der Patienten. Sie werden leistungsfähiger und können wieder ein aktiveres Leben führen.

Und die Entwicklung geht weiter. Derselbe Wirkmechanismus der sGC-Stimulation, der mit Riociguat bei Lungenhochdruck zum Einsatz kommt, könnte auch in anderen Bereichen nützlich sein. So entwickeln wir derzeit gemeinsam mit dem US-Pharmaunternehmen Merck & Co. den neuen Wirkstoff Vericiguat, einen sGC-Stimulator, der auf eine Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz hin optimiert wurde.

Für die Behandlung der Herzinsuffizienz ist das ein vielversprechender Ansatz, weil eine unzureichende Stimulierung des sGC-Enzyms für diese Erkrankung charakteristisch ist. Zwei Phase-IIb-Studien wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen und erste Daten im November vorgestellt. Über die nächsten Schritte im Entwicklungsprogramm von Vericiguat beraten wir derzeit mit unserem Kooperationspartner Merck & Co.

Das Beispiel Vericiguat steht stellvertretend für unsere Forschungspipeline, in der sich zahlreiche vielversprechende Projekte befinden. Und es zeigt: Um in der Wissenschaft ganz vorne dabei zu sein, ist es heutzutage unerlässlich, mit externen Partnern zusammenzuarbeiten.


(2016-1500-8)

Dies illustriert auch eine weitere Kooperation, die gerade in diesen Tagen startet. Dabei geht es um die neue, bahnbrechende Technologie der Genom-Editierung. Die Technologie mit dem Namen CRISPR-Cas9 erlaubt es, wie eine „molekulare Schere“ die DNA zielgerichtet zu schneiden. Dadurch könnte es möglich werden, schwere genetische Erkrankungen beim Menschen zu therapieren oder sogar zu heilen, indem der für die Erkrankung verantwortliche, fehlerhafte Teil der DNA korrigiert wird.

Auch das Erbgut von Pflanzen kann auf diese Weise gezielt verändert werden, zum Beispiel um Pflanzen ertragreicher und widerstandsfähiger zu machen. Das Ergebnis ist von konventioneller Züchtung praktisch nicht zu unterscheiden – aber es geht deutlich präziser und damit auch schneller.

Wir haben nun ein langfristig angelegtes Joint Venture mit dem Unternehmen CRISPR Therapeutics ins Leben gerufen. CRISPR Therapeutics ist eine der besten Adressen weltweit, wenn es um die Genom-Editierung geht.

Gemeinsam mit CRISPR Therapeutics wollen wir jetzt neue Behandlungsmethoden für Bluterkrankungen, Erblindung und Herzerkrankungen entdecken, entwickeln und vermarkten. Dafür werden wir in den nächsten fünf Jahren mindestens 300 Millionen US-Dollar in Forschung und Entwicklung des Joint Ventures investieren. Außerdem haben wir einen Minderheitsanteil an CRISPR Therapeutics für 35 Millionen US-Dollar erworben.

Durch das Joint Venture erhalten wir Zugang zu dieser innovativen Technologie, während wir unsere Expertise im Bereich Protein-Technologie und unser Wissen über die entsprechenden Krankheiten beitragen.

Das Joint Venture ist die erste Investition des neu etablierten Bayer Life Science Center. Es hat die Aufgabe, bahnbrechende spezies-übergreifende Technologien und Know-how für Bayer zu entdecken, zu fördern und zugänglich zu machen. Dazu sollen Partnerschaften eingegangen werden – zum Beispiel mit erstklassigen Unternehmen wie CRISPR Therapeutics.


(2016-1500-9)

Meine Damen und Herren,

Innovation findet bei uns aber nicht nur in den Laboren statt, sondern überall im Unternehmen.

Lassen Sie mich dazu ein Beispiel aus unserem Crop-Science-Geschäft erläutern. Auch in der Landwirtschaft ist die Digitalisierung in vollem Gang. Schlagwörter wie „Big Data“ oder das „Internet der Dinge“ sind Landwirten heute ebenso geläufig wie Produktionsmanagern in der Industrie.

Tatsächlich bietet die Digitalisierung auch in der Landwirtschaft großartige Möglichkeiten und Perspektiven. So sind Traktoren und Erntemaschinen heute oft schon mit Sensoren ausgestattet. Diese sammeln Informationen über den Zustand der Pflanzen und des Bodens und senden die Daten direkt auf den Laptop oder das Tablet des Landwirts.

Auch Luftaufnahmen von Drohnen oder Satelliten können wertvolle Informationen liefern. Kommerzielle Satelliten ermöglichen bereits die Analyse einer bestimmten Bodenfläche mit einer Auflösung von 30 Zentimetern.

Auf der Grundlage solcher Daten ist es heute möglich, Präzisionslandwirtschaft zu betreiben. Von der Bearbeitung der Böden über die Auswahl des Saatguts bis zur Düngung und dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln – alles kann für jede Teilfläche präzise und effizient geplant werden.

Sind die Pflanzen in einem Teilstück des Felds von Schädlingen oder Krankheitserregern befallen, wird dies sehr schnell erkannt. So können Gegenmaßnahmen schon in einem frühen Stadium ergriffen werden, bevor sich die Schädlinge oder Krankheiten weiter ausbreiten.

Die Digitalisierung der Landwirtschaft führt so nicht nur zu höheren Erträgen und besseren Einkommen, sondern auch zu einem noch effizienteren und umweltschonenderen Ressourceneinsatz. Diese Entwicklung wollen wir aktiv mitgestalten und unser Angebot an digitalen Dienstleistungen für unsere Kunden weiter ausbauen.

Aus diesem Grund haben wir kürzlich die Firma proPlant übernommen. Ursprünglich als Spin-off von ehemaligen Mitarbeitern des Instituts für Geoinformatik der Universität Münster gegründet, ist das Unternehmen heute einer der führenden Anbieter von IT-Lösungen für den Agrarsektor. Unter dem neuen Namen Bayer Digital Farming verstärkt es unsere Technologie-Plattform, auf deren Basis wir neue digitale Lösungen für eine nachhaltige, ressourcen-effiziente Agrarproduktion entwickeln.


(2016-1500-10)

Meine Damen und Herren,

nach diesem kleinen Ausflug in die Welt der Innovation bei Bayer möchte ich Ihnen nun unsere Finanzziele für das Jahr 2016 vorstellen. Unserer Prognose haben wir die Wechselkurse zum Stichtag 31. Dezember 2015 zugrunde gelegt. Wir planen 2016 keine wesentlichen Währungseffekte auf den Umsatz, das um Sondereinflüsse bereinigte EBITDA und das bereinigte Ergebnis je Aktie ein.

Blicken wir zunächst auf die Summe der Life Science Geschäfte, die nun unser Kerngeschäft darstellen. Hier planen wir für das laufende Jahr einen Umsatz von gut 35 Milliarden Euro. Dies entspricht währungs- und portfoliobereinigt einem Anstieg im mittleren einstelligen Prozentbereich. Das EBITDA vor Sondereinflüssen planen wir bei den Life Sciences im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erhöhen.

Für den gesamten Konzern – also einschließlich Covestro – planen wir 2016 einen Konzernumsatz von über 47 Milliarden Euro. Dies entspricht währungs- und portfoliobereinigt einem Anstieg im unteren einstelligen Prozentbereich.

Das EBITDA vor Sondereinflüssen planen wir im mittleren einstelligen Prozentbereich zu erhöhen, ebenso wie das bereinigte Ergebnis je Aktie.

Herr Dietsch wird Ihnen nun weitere Details zum Geschäftsjahr und den Ausblick für unsere Divisionen präsentieren.

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REDE DIETSCH
(siehe separates Dokument)

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(Fortsetzung Rede Dr. Dekkers)

Meine Damen und Herren,

nach diesem detaillierten Einblick in unsere Zahlen möchte ich mit einigen politischen Anmerkungen fortfahren. Sie haben gesehen, welche Anstrengungen wir unternehmen, um unsere Innovationskraft als Unternehmen weiter zu stärken. Das ist ein fester Bestandteil unseres Denkens und Handelns – so ähnlich wie bei einem Leistungssportler, der täglich an seiner Fitness arbeitet.

Aber ich lasse nicht nach zu betonen: Damit wir unser Potenzial voll ausschöpfen können, brauchen wir auch ein Umfeld, das unsere Innovationsbemühungen unterstützt. Ich bin fest davon überzeugt, dass Europa innovativer werden muss. Drei Aspekte sind mir hier besonders wichtig.

Erstens spreche ich damit das sozio-kulturelle Umfeld an. Prinzipiell sind zwar alle für Innovation. In den sprichwörtlichen Sonntagsreden herrscht Einigkeit. Aber wenn es um konkrete Technologien geht, überwiegen allzu schnell die Bedenken.

Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Es ist gut und richtig, dass offen über neue Technologien diskutiert wird. Aber die Debatten sollten auf der Basis wissenschaftlicher Fakten geführt werden. Deshalb sind alle dazu aufgerufen, sich stärker in öffentlichen Diskussionen zu engagieren – die Wissenschaft, die Politik, und natürlich auch die Unternehmen.

In den Life Sciences ist das besonders wichtig. Denn wir arbeiten mit Molekülen, die man nicht sehen kann. Das verstärkt ein gewisses Unbehagen gegen Innovationen in unserem Bereich – anders als etwa bei einem neuen Smartphone, für das die Menschen leichter zu begeistern sind.

Zweitens geht es darum, den technologischen Fortschritt durch geeignete Regulierungen zu begleiten statt zu verhindern. Deshalb mache ich mich für die Idee stark, auf europäischer Ebene ein Innovationsprinzip einzuführen – eine Art Innovations-TÜV, der Regulierungen auf ihre Folgen für die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft überprüft.

Dies könnte das europäische Vorsorgeprinzip, das gut und wichtig ist, sinnvoll ergänzen. Beide Prinzipien zusammen könnten für eine ausgewogenere Betrachtung von Nutzen und Risiko neuer Technologien sorgen. Das würde bessere Regulierungen ermöglichen – und mehr Innovation.

Lassen Sie mich ein konkretes Beispiel nennen. In Deutschland orientieren sich die Preise für neue, innovative Medikamente zunehmend an Nachahmer-Medikamenten, die schon seit Jahrzehnten patentfrei auf dem Markt sind. Auf dieser Basis können die Innovationsleistungen der Pharma-Unternehmen aber nicht angemessen honoriert werden.

Langfristig wird dies dazu führen, dass die Unternehmen ihre wachsenden Forschungs- und Entwicklungsausgaben nicht mehr finanzieren können. Dann aber schwindet irgendwann die Innovationsfähigkeit der Branche – am Ende zum Schaden der Patienten, die auf neue Therapien warten.

Ich verstehe gut, dass die finanziellen Interessen der Gesetzlichen Krankenkassen berücksichtigt werden müssen. Aber wir brauchen in Deutschland eine neue Balance, die auch die Anliegen der forschenden Pharma-Unternehmen besser berücksichtigt. Hier muss möglichst bald eine tragfähige Lösung gefunden werden.

Lassen Sie mich nun zu meinem dritten Punkt kommen: Um innovativer zu werden, müssen wir auch die externen Finanzierungsbedingungen für Innovation verbessern. Zum Beispiel brauchen wir, darauf habe ich schon mehrfach hingewiesen, in Deutschland ein Wagniskapitalgesetz, damit junge Unternehmen leichter an Startkapital herankommen. Denn Start-ups sind ein wichtiges Bindeglied zwischen Forschungsinstituten und Hochschulen einerseits und den etablierten Unternehmen andererseits.

Meine Damen und Herren,

lassen Sie mich nun zum Schluss kommen.

Beim Ausblick auf das Jahr 2016 haben Sie gesehen: Wir wollen weiter wachsen, sowohl beim Umsatz, gegenüber dem Markt, als auch bei unserem Geschäftsergebnis. Und das auf Basis eines Rekordjahrs.

Was uns so zuversichtlich macht? Ganz einfach: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt. Unser Portfolio ist gut diversifiziert und ausgewogen. Unsere Divisionen sind wettbewerbsfähig und besetzen führende Marktpositionen. Und unser fokussiertes Geschäftsmodell bietet viele Möglichkeiten des Austauschs zwischen den Divisionen – zum wechselseitigen Nutzen. Dies gilt für die Forschung, aber auch in vielen anderen Bereichen.

Seit mehr als 150 Jahren besteht das Geschäftsmodell von Bayer darin, neue Moleküle zu erfinden und daraus innovative Produkte zu entwickeln. Angefangen hat es im Jahr 1863 mit synthetischen Farben. Heute konzentrieren wir uns auf Moleküle, die einen Einfluss auf biochemische Prozesse haben und sich so positiv auf lebende Organismen auswirken.

Dabei nutzen wir die enormen Möglichkeiten, die sich aus den wissenschaftlichen Fortschritten in den Life Sciences ergeben. Wir setzen modernste Erkenntnisse und Technologien ein, um innovative Produkte zu entwickeln – mit dem Ziel, die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze zu verbessern.

Was Bayer als Life Science Unternehmen ausmacht, haben wir in der Broschüre zusammengefasst, die Sie in den Händen halten. Eine Lektüre, die ich Ihnen wärmstens empfehle!

Ich bin mir sicher: Auf dieser Grundlage – und mit den engagierten, hoch qualifizierten Mitarbeitern – wird Bayer auch in Zukunft zu den innovativsten Unternehmen der Branche gehören.

Vielen Dank!



Zukunftsgerichtete Aussagen
Diese Presseinformation kann bestimmte in die Zukunft gerichtete Aussagen enthalten, die auf den gegenwärtigen Annahmen und Prognosen der Unternehmensleitung von Bayer beruhen. Verschiedene bekannte wie auch unbekannte Risiken, Ungewissheiten und andere Faktoren können dazu führen, dass die tatsächlichen Ergebnisse, die Finanzlage, die Entwicklung oder die Performance der Gesellschaft wesentlich von den hier gegebenen Einschätzungen abweichen. Diese Faktoren schließen diejenigen ein, die Bayer in veröffentlichten Berichten beschrieben hat. Diese Berichte stehen auf der Bayer-Webseite www.bayer.de zur Verfügung. Die Gesellschaft übernimmt keinerlei Verpflichtung, solche zukunftsgerichteten Aussagen fortzuschreiben und an zukünftige Ereignisse oder Entwicklungen anzupassen.

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